Die Gesellschaft der Vier Lande

Die sogenannten Rittergesellschaften waren genossenschaftlich organisierte und durch Eid bezeugte Zusammenschlüsse von Rittern. Sie entwickelten sich im Heiligen Römischen Reich während des Übergangs vom Mittelalter zur frühen Neuzeit und waren gekennzeichnet durch das Fehlen von Hierarchien. Gemeinsame Statuten regelten das Innen- und Außenverhältnis der Rittergesellschaften. Die „Gesellen“ drückten ihre Gemeinschaft vor allem durch eine gemeinsame Festkultur aus, die beispielsweise das gemeinsame Mahl oder auch die Organisation großer Ritterturniere umfasste. Gemeinsame Abzeichen oder das Tragen einheitlicher Kleidung bei den regelmäßigen Zusammenkünften stärkte ebenfalls die adelige Identität und schuf eine deutliche Abgrenzung nach außen. Die Gesellschaften boten also auch dem niederen Adel eine Möglichkeit, unabhängig von den Fürstenhöfen eine standesgemäße adelige Kultur auszuleben. Auch wollte man sich vom Bürgertum abheben.


Einige dieser Rittergesellschaften waren reine Turniergesellschaften, schlossen sich also ausschließlich zum Zwecke der Durchführung großer Ritterturniere zusammen. Die „Gesellschaft der Vier Lande“ schließlich war ein Zusammenschluss von Rittern aus den Turnierlandschaften Schwaben, Franken, Bayern und vom Rheinstrom.


Die Vier-Lande-Turniere

Hatten Ritterturniere anfangs den Zweck, die kämpferischen Fähigkeiten der Teilnehmer zu stärken, so verlor sich diese Aufgabe im 15. und 16. Jahrhundert zunehmend. Stattdessen traten der sportliche Wettkampf und die Zurschaustellung der Gefolgschaft für seinen Herrn in den Vordergrund. Solche Turniere fanden häufig im Rahmen höfischer Feste und Feierlichkeiten statt und wurden nach strengem Zeremoniell abgehalten.
Die sogenannten „Turniere der Vier Lande“ umfassten eine Reihe von großen Turnieren, die vom süddeutschen Ritteradel der Vier Lande (also aus Schwaben, Franken, Bayern und vom Rheinstrom) abgehalten wurden und gelten als Höhepunkt des genossenschaftlich praktizierten Turnierwesens. Die Turniere sind in Turnier- und Wappenbüchern besonders gut dokumentiert, da es genau ausgearbeitete Regelwerke und strenge Zulassungsbeschränkungen gab – so mussten die teilnehmenden Ritter etwa mehrere Generationen von Ahnen nachweisen, die bereits an Turnieren teilgenommen hatten.


Es handelt sich dabei um folgende Turniere:

Januar 1479 in Würzburg
August 1480 in Mainz
August 1481 in Heidelberg
Januar 1484 in Stuttgart
September 1484 in Ingolstadt
Mai 1485 in Ansbach
Januar 1486 in Bamberg
Februar 1487 in Regensburg
August 1487 in Worms

Der Ablauf der Turniere war immer in etwa gleich. Am ersten Tag wurde eine Helmschau abgehalten. Am zweiten Tag wurden die Teilnehmer in zwei Parteien aufgeteilt, um dann alle gleichzeitig auf dem Marktplatz der Stadt das Kolbenturnier auszufechten. Am Abend wurde der „Turnierdank“, der Siegerpreis für jedes der vier Lande überreicht. Im Anschluss gab es ein Festessen mit Tanz.

Die Turniere waren regelrechte Massenveranstaltungen. So sind für das Turnier in Würzburg etwa 780 Teilnehmer mit einem Tross von über 4000 Pferden belegt. Allerdings nahm die Teilnehmerzahl der Turniere stetig ab. Nach 1487 fanden kaum noch ritterliche Massenturniere statt

... das sollte sich ab 2012 wieder ändern!


Stand Juni 2014